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Manchmal ist eine Auszeit die Rettung
3. Juni 2015 / 10 Comments

breathe by blogged with milk tea

Manchmal ist eine Auszeit die Rettung.

Ich wache auf und putze mir die Zähne, dusche. In der Küche wartet mein Frühstück auf mich im Kühlschrank. Ein Joghurt, ein Glas Saft. Ich fühle mich erschöpft, ausgelaugt ohne Kraft - ohne Motivation. Das Frühstück lasse ich dann aus und trinke nur einen Kaffee. 

Es fühlt sich alles immer noch gleich an. Jeder Morgen fühlt sich gleich grau an. 
Auch der Geruch im Bus trägt zu dieser miesen Stimmung bei. An jeder Haltestelle steigen Menschen ein. Mal ist es eine alte Dame mit ihrem Rollator, mal ein Vater mit seinem Kind. Wahrscheinlich bringt er das Kind zu einer Bildungsstätte. An der nächsten Haltestelle steigen dann einige Bauarbeiter ein, an der folgenden Schüler mit ihren übergroßen Rucksäcken. Die alte Dame rümpft ihre Nase. Im Bus riecht es nach Schweiß, nach kaltem Rauch, nach Parfüm welches an Tante Emmas Gardine erinnert. Lautes Quatschen der Kinder kommt hinzu, welches noch übertönt wird durch die Musik aus den Kopfhörern eines anderen Passagiers. Gut, dann kann ich meinen Akku ruhen lassen, schließlich ist es möglich bereits woanders Musik mitzuhören, obwohl diese nicht meinem Geschmack entspricht. Mir fällt auf: keiner grüßt, keiner lacht.
Mit jedem Meter wird mir deutlicher bewusst, dass es mir schlecht geht. Vielleicht liegt es am Fahrstil des Busfahrers, vielleicht liegt es an den verschiedenen Gerüchen welche sich zu einer schweren Paste in der Luft mischen, welche sich dann wie ein schwerer Schal um den Hals schnürrt. Nur dann wenn die Tür des Busses sich für einen kurzen Moment öffnet, strömt eine leichte frische Brise hinein. Das ist der Moment zum einatmen, um im Anschluss die Luft wieder anzuhalten. 

Angekommen an der Zielstation steige ich erleichtert aus dem Bus aus und setze einen Fuß vor den anderen. Wieso fallen mir die Schritte so schwer, als hätte jemand mir Gewichte umgebunden? Nicht solche wie  im Fitnessstudio um die Belastung zu erhöhen, mit dem Ziel, dass eine stetige Steigerung der Belastung zu einem größerem Kraftaufwand führt welcher letztlich die Muskeln formt. Am Ende einer Trainingseinheit ist es dann möglich die Gewichte abzunehmen. Die Gewichte an meinen Füßen fühlen sich jedoch nicht abnehmbar an. Vielmehr krallen sie sich immer fester und fester an meine Beine und scheinen langsam nach oben zu wandern. 
Angekommen um zu Arbeiten verfliegt die Zeit wie im Handumdrehen. Bevor ich mich versehe sitze ich wieder in einem Bus auf dem Weg nach Hause. Das Spiel von heute Morgen fängt wieder von vorne an. Als hätte jemand auf die Wiederholungstaste gedrückt und vergessen diese loszulassen. 

Manchmal ist eine Auszeit die Rettung.

Eine Auszeit von allem was uns bedrückt, was uns Kraft raubt, was uns als lebensnotwendig erscheint. Ein Mal zurücklehnen, an nichts denken, nichts sagen, nichts machen. Wir müssen einmal raus, ein Mal wieder lachen. Nicht das 1,2,3 Lachen, nicht das permanente Lachen, sondern von Herzen aus dem Moment für uns und für niemanden sonst.
Ein Mal wieder zu Kräften kommen um wieder mit Motivation und Freude in den Tag zu starten. Nur so ist es möglich die Welt wieder bunt zu sehen und nicht grau.

Eine Auszeit zum Atmen.


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